Neue App gewährleistet behinderten Menschen barrierefreie Mobilität - ichreise

AIM4IT-App unterstützt eingeschränkte Fahrgäste bei der barrierefreien Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln.

Wie können in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen und auch sehbehinderte und gehörlose Fahrgäste bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln besser unterstützt werden? Dieser Frage stellte sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und entwickelte ein Konzept für eine mobile Reiseassistenz, das das Reisen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zukünftig einfacher macht – und zwar für alle.

 

Erster Testlauf in Wien 

Oftmals sind die Umsteigezeiten für Rollstuhlfahrer oder Sehbehinderte Menschen im ÖPNV zu kurz bemessen und die vorhandenen Informationssysteme nur unzureichend nutzbar. In dem internationalen Forschungsprojekt aim4it entwickelten die Wissenschaftler des DLR-Instituts für Verkehrssystemtechnik deshalb gemeinsam mit Projektpartnern eine Lösung für dieses Problem, die für alle Fahrgäste hilfreich sein soll: ein leicht übertragbares Konzept einer Mobilitätsassistenz, um die bestehenden Barrieren des ÖPNV für alle Fahrgäste abzubauen. Herausgekommen ist dabei unter anderem die interaktive aim4it-App, die in Wien bereits anhand eines Testversuchs ausprobiert wurde.

 

Perfekt zugeschnittene Informationen

 

Gehörlose oder blinde Reisende, Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer können sich die App auf ihrem Smartphoneinstallieren und ihr entsprechendes Anwenderprofil hinterlegen. Daraufhin erhalten sie die für ihre Bedürfnisse perfekt zugeschnittenen barrierefreie Störungsmeldungen oder aktualisierte Routeninformationen. Blinde und Sehbehinderte Fahrgäste beispielsweise über den Text-to-Speech-Kanal und Hörbehinderte oder gehörlose Reisende in Gebärdensprache durch einen animierten Avatar, der für jede beliebige Sprache programmiert werden kann. „Aim4it ist aber mehr als eine App“,  so Karsten Lemmer, Leiter des DLR-Instituts für Verkehrssystemtechnik. „Es ist vielmehr ein offenes, leicht übertragbares Konzept, das die Verkehrsunternehmen den Fahrgästen über ihre bereits bestehende Reise-Apps zur Verfügung stellen können.“

Mit Hilfe der aim4it-App kann der Reisende bereits bei der Planung angeben, ob er eine verlängerte Umsteigezeit benötigt und wann er möglicherweise Hilfe beim Ein- und Aussteigen braucht. Dem Bus- oder Straßenbahnfahrer wird daraufhin auf einem Display im Fahrzeug angezeigt, an welcher Haltestelle er einen längeren Aufenthalt einplanen muss, um auf die später zusteigenden Fahrgäste zu warten. Zudem sieht er so schon im Vorfeld, wann er die Rampe für Rollstuhlfahrer ausklappen muss.

 

Alternativrouten in Echtzeit

Das Fahrplanauskunftssystem der App erhält von dem jeweiligen Verkehrsunternehmen aktuelle Informationen über die benötigten Verkehrsmittel. Wenn eine Störung auf der geplanten Route eintritt, erhält der Fahrgast in Echtzeit eine Nachricht auf seinem Smartphone. Über die aim4it-App kann er eine Alternativroute anfordern, die seine speziellen Bedürfnisse berücksichtigt. Wenn etwa in einer Haltestelle der Fahrstuhl ausfällt, erhält ein Rollstuhlfahrer eine Meldung und zum Beispiel den Vorschlag eine Station früher auszusteigen und dort den Aufzug zu benutzen.

 

Permantes Feedback soll Service verbessern

 

Nach den ersten Testungen in Wien und Karlsruhe flossen die Erfahrungen der Probanden in die Weiterentwicklung ein. Das Feedback interessiert die Wissenschaftler aber auch weiterhin: Direkt über die aim4it-App können die Fahrgäste ihre Erfahrungen zu den neuen Funktionen und die Unterstützung durch die Fahrer mitteilen. Der Verkehrsanbieter erhält so wichtige Hinweise, wie die Services weiter verbessert werden können.

 

 

Das Forschungsprojekt aim4it (Accessible and Inclusive Mobility for All with Individual Travel Assistance) wird im Rahmen des EU-Förderprogramms Future Travelling (ENT3) abgewickelt. aim4it wird gefördert durch: das deutsche Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), die österreichische Forschungsförderungsgesellscha ft (FFG) und das National Centre for Research and Development aus Polen. Projektpartner sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Bergische Universität Wuppertal, FH Joanneum GmbH, Fluidtime Data Services GmbH, INIT AG, Matrixx IT Services GmbH, Mentz Datenverarbeitung GmbH, Mentz Datenverarbeitung Austria GmbH, Polytechnische Universität Poznan, SignTime GmbH, Wiener Linien GmbH & Co KG.

Quelle: Touristikpresse.net